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Willkommen

Das Johanna-Stahl-Zentrum ist das regionale Kompetenzzentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken. 900 Jahre jüdische Geschichte in der Region stehen im Mittelpunkt seiner Aktivitäten. Aktuell befasst es sich besonders mit der Erinnerungskultur für die jüdischen NS-Opfer. Auch die Fachbibliothek des Zentrums zeichnet sich aus durch ihr Alleinstellungsmerkmal in der Region.

Wir möchten Sie informieren über die Veranstaltungen, Angebote und Sammlungsbestände des Zentrums und laden Sie herzlich dorthin ein. Vielleicht möchten Sie auch Ihre Erinnerungen mit uns teilen oder uns Fotos und Dokumente aus der gemeinsamen Geschichte von Christen und Juden unserer Region überlassen?

Das Johanna-Stahl-Zentrum ist zu den üblichen Zeiten und unter den Bedingungen eines Hygienekonzepts geöffnet. Bitte melden Sie sich vor einem Besuch in jedem Fall vorher an: 0931-18275.

Vortrag zum jüdischen Handwerk, 24.09.2019

Dass die Juden der Vormoderne sich ganz überwiegend mit Handel und Geldgeschäften beschäftigten, ist nicht nur ein Klischee. Sie durften es nicht anders. Darüber gerät völlig aus dem Blick, dass es in kleiner Zahl auch jüdische Handwerker gab - im 19. Jahrhundert unter neuen Bedingungen. Maja Andert wird anhand von Beispielen diese Entwicklung bis ins 20. Jahrhundert vorstellen.

Im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit verboten die Obrigkeiten, die den Juden die Niederlassung erlaubten, jede andere Art der Betätigung. Und den christlichen Zünften gelang es, Nichtchristen aus ihrem Handwerk auszugrenzen.

Jüdische Handwerker gab es jedoch immer in solchen Bereichen, in denen sie zur Einhaltung der jüdischen Reinheitsgesetze nötig waren. Im 19. Jahrhundert änderte sich dies: Die Zünfte wurden abgeschafft und die Staaten strebten eine Umschichtung der jüdischen Berufsstruktur an. Mit Zwang und Anreizen versuchte das Königreich Bayern, Juden ins Handwerk und in die Landwirtschaft zu locken.

Langfristig erfolgreich war diese Politik nicht, weil sie sich wirtschaftlich nicht auszahlte. Auch im 20. Jahrhundert dominierte in der jüdischen Bevölkerung Unterfrankens der Handel noch stark, neue akademische Berufe wie Ärzte und Juristen traten hinzu. Doch daneben finden sich eben auch Handwerker, denen mitunter die Ausbildung einer Handwerkertradition innerhalb der Familie gelang – als Metzger, Bäcker oder Koch, Schneider, Modistin und Schuhmacher oder als Gärtner. Unter dem Druck der NS-Politik entschieden sich dann sogar  junge Leute vermehrt für eine Handwerkerausbildung in den Werkstätten weniger großer jüdischer Gemeinden. Denn eine akademische Ausbildung wurde schnell unmöglich und es kam auf praktische Qualifikationen für die Emigration an.

Anlässlich der 27. Stolpersteinverlegung in Würzburg mit dem thematischen Schwerpunkt „Jüdisches Handwerk“ hält Maja Andert, die wissenschaftliche Volontärin des Johanna-Stahl-Zentrums, einen Vortrag zum Thema, zu dem Sie herzlich eingeladen sind. Besonders anhand von Beispielen wird sie jüdische Handwerker des 19. und 20. Jahrhunderts vorstellen – zwischen Emanzipation und dem Schicksal in den NS-Lagern bzw. in der Emigration.

„Tradition – Innovation – Frustration. Jüdisches Handwerk seit dem 19. Jahrhundert“, Vortrag von Maja Andert, Di., 24.09.2019, 18:30 h, Akademie für Unternehmensführung der Handwerkskammer Unterfranken, Dieselstr. 12, 3. Stock (Penthouse)

Der Eintritt ist frei. Bitte beachten Sie, dass der im Jahresprogramm des JSZ ausgedruckte Wochentag zu diesem Datum korrigiert werden muss.