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Sammlungen

Das Archiv des Johanna-Stahl-Zentrums umfasst als Originalquellen die Deposita der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg und Unterfranken und der dortigen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit. Diese sind bislang nicht erschlossen. Zu den Deposita gehört auch der größte Teil der Memmelsdorfer Genisa, die zwischen 1979 und 1982 in Hohlräumen unter dem Dach der Memmelsdorfer Synagoge gefunden wurde. Der Fund besteht überwiegend aus religiösen Schriften, enthält aber auch andere Texte sowie einige Alltagsgegenstände. Er wurde durch die Genisa-Forschungsstelle in Veitshöchheim weitgehend verzeichnet.

Kleinere Sammlungen oder Einzelstücke gehören ebenfalls zum Bestand: So etwa Fotos und Dokumente aus der Kaufmannsfamilie Ruschkewitz, die von 1898 bis 1935 in Würzburg das gleichnamige Kaufhaus führte; Teile aus dem Nachlass von David Schuster (1910-1999), dem langjährigen Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde in Würzburg, oder das Poesiealbum der Kinderärztin Dr. Klara Oppenheimer (1867-1943). Das Porträt der Antiquitätenhändlerin Ernestine Seligsberger (1864-1939) von Willy Exner bildete 2015/16 den Ausgangspunkt für eine historische Ausstellung zu ihrer Familie.

Doppelseite aus dem Poesiealbum von Klara Oppenheimer

Poesiealbum von Klara Oppenheimer

© JSZ

Einen weiteren Schwerpunkt des Archivs bilden Sammlungen, die im Rahmen von lokalen Forschungsarbeiten oder Dokumentationen zur jüdischen Geschichte innerhalb wie außerhalb des Zentrums entstanden sind. Dazu gehören etwa Quellen und Unterlagen aus der Arbeit am “Biographischen Handbuch Würzburger Juden 1900 bis 1945” sowie Sammlungen von Fotos meist aus den 1990er Jahren zu mehreren jüdischen Friedhöfen in Unterfranken. Einen Schwerpunkt bildet seit 2015 die umfangreiche Sammlung des jüdischen Heimatforschers Michael Schneeberger (1949-2014), der über 30 Jahre lang die Geschichte jüdischer Familien und Gemeinden vor allem in Franken erforscht hat. Sein Forschungsschwerpunkt lag im Raum Kitzingen. Die Sammlung ist inzwischen nach archivischen Kriterien geordnet und verpackt, ihr Inhalt in der Beständedatenbank erfasst. Eine Tiefenerschließung steht noch aus.

Auch ein Teil des Nachlasses des israelischen Journalisten Shraga Har-Gil befindet sich im Bestand des Zentrums. Er wurde 1926 als Paul Philipp Freudenberger in Würzburg geboren. Über Jahrzehnte schrieb er als Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Zeitungen und Magazine. Die umfangreiche Sammlung seiner Artikel wurde dem Zentrum 2011 von den Erben überlassen, sie ist nach Jahren sortiert, aber nicht erschlossen.

Wir freuen uns, wenn Sie durch Stiftungen von Fotos, Briefen, Dokumenten oder Erinnerungsgegenständen zum weiteren Ausbau der Sammlung beitragen. Fragen Sie Angehörige oder Verwandte aus der Generation von vor 1939 nach solchen Fotos und Papieren, wenn diese selbst nicht mit dem Internet vertraut sind.

Einen größeren Umfang nehmen inzwischen die digitalen Sammlungsbestände an Fotos und Quellen, Audio- und Video-Interviews ein. Da sie meist in konkreten Projektzusammenhängen ins Zentrun gelangten, erworben oder erstellt wurden und aufgrund der knappen Ressourcen war eine übergeordnete Sortierung, Verzeichnung und Verschlagwortung dieses Bestandes bislang nicht möglich.