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Rotraud Ries - Ausführlicher Werdegang

Dr. Rotraud Ries, geb. Klingbeil (* 18.08.1956 in Braunfels/Lahn) legte 1975 das Abitur am altsprachlichen Wilhelm-Dörpfeld-Gymnasium in Wuppertal-Elberfeld ab. Nach einem dreimonatigen Aufenthalt in den USA studierte sie von 1975 bis 1982 an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster/Westf. Geschichte, Judaistik und Ev. Theologie und schloss mit dem Magisterexamen ab. Währenddessen und danach arbeitete sie bis 1987 als studentische und wissenschaftliche Hilfskraft und Mitarbeiterin im dortigen Institut für vergleichende Städtegeschichte sowie im angeschlossenen SFB 164. In ihrer Doktorarbeit beschäftigte sich Ries mit den Bedingungen jüdischen Lebens in Niedersachsen im 15. und 16. Jahrhundert. Dafür erhielt sie ein Stipendium des Ev. Studienwerks Villigst. 1990 wurde Ries bei Prof. Dr. Peter Johanek promoviert, die Historische Kommission für Niedersachsen und Bremen publizierte ihr Buch 1994. Ries ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Auf die Promotion folgten zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und Vorträge, die in freiberuflicher Tätigkeit wie im Rahmen wissenschaftlicher Projekte entstanden. Ihre Forschungsschwerpunkte setzte Ries im Bereich der frühneuzeitlichen jüdischen Geschichte und befasste sich mit jüdischer Lokal- und Regionalgeschichte, mit den Akkulturationsprozessen in der jüdischen Wirtschaftselite der Hofjuden wie auch mit dem Landjudentum und mit Konversionen vom Judentum zum Christentum. Hierzu kamen zuletzt Themen des 19. und 20. Jahrhunderts mit der Biographie-Forschung und der Erinnerungskultur. Ries wendet insbesondere Methoden der neueren Sozial- wie der Kulturgeschichte an.

Von 1994-1999 war Ries wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt “Die Rolle der Hofjuden im Akkulturationsprozeß der Judenschaft des deutschsprachigen Raumes” an der TU Darmstadt unter Leitung von Prof. Dr. Friedrich Battenberg. Von 2001-2002 arbeitete sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin für die Jugendhilfe Schweicheln mit einer Untersuchung über Jugendarbeitslosigkeit im Kreis Herford. Dem folgte von 2002-2005 die Tätigkeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universitäten Duisburg und Düsseldorf, Jüdische Studien, im Projekt “Pragmatik oder Programm: Akkulturationsprozesse in der jüdischen Oberschicht im 18. Jahrhundert” unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Rohrbacher. Von 2007-2008 war Ries als leitende wissenschaftliche Mitarbeiterin im Jüdischen Museum Berlin im Projekt EMIKA tätig, in dem es um die Entwicklung eines Multimediaguides für die Dauerausstellung ging. Die erarbeiteten Hintergrundgeschichten zu einzelnen Objekten fanden unter dem Titel "Dinge" Eingang in das digitale Angebot des Museums.

Im Rahmen von Lehraufträgen unterrichtete Ries an der Universität Bielefeld im Fach Geschichte (1998-2000) und an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg in den Fächern Geschichte wie Museologie (2010-2017). Im Jahr 1999 hat sie die Gründung eines Arbeitskreises zur frühneuzeitlichen jüdischen Geschichte angeregt, der in Kooperation mit Prof. Dr. Birgit Klein und Katja Kriener im Jahr 2000 seine erste Tagung in der Ev. Akademie Mülheim/Ruhr ausrichtete. Seitdem tagt das Interdisziplinäre Forum "Jüdische Geschichte und Kultur in der Frühen Neuzeit"externer Link unter ihrer Leitung in Kooperation mit wechselnden Teams einmal jährlich mit inzwischen mehr als 40 Teilnehmenden. Seit 2011 finden die Tagungen in der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Stuttgart-Hohenheim statt. Themen und Vortragsprogramme sind interdisziplinär ausgerichtet, daneben ist viel Zeit für die direkte Kommunikation. Die Fachöffentlichkeit wird durch Berichte unterrichtet, Publikationen liegen zu zwei Tagungen vor. Ries ist Mitglied in verschiedenen Beiräten, Fachgesellschaften und Arbeitsgemeinschaften.

Seit September 2009 leitet Ries das „Zentrum für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken“, das 2011 auf ihre Initiative von „Dokumentationszentrum“ in „Johanna-Stahl-Zentrum“ umbenannt wurde. Mit ihrem sehr kleinen Team ist Ries zuständig für 900 Jahre Geschichte in einer besonders dicht von jüdischen Gemeinden und ihrer Kultur geprägten Region. In Ausstellungen, Vorträgen und mit Publikationen widmet sich Ries ihren Themen und integriert und vernetzt dabei die ehrenamtlichen Heimatforscher der Region. Federführend ist sie beteiligt an regionalen Projekten der Erinnerungskultur an die jüdischen NS-Opfer wie dem Weg der Erinnerungexterner Link und dem DenkOrt Deportationen 1941-1944externer Link vor dem Hauptbahnhof in Würzburg. Sie hat dafür digitale Informations- und Gedenkmedien konzipiert und mit ihrem Team erarbeitet. Die Stele am Kaisergärtchenexterner Link zur Erinnerung an die jüdische Geschäftswelt der Kaiserstraße seit Anlage der Straße im 19. Jahrhundert geht auf ihre Initiatve zurück und bietet ebenfalls ein umfangreiches online-Informationsangebot.